Gospels und Spirituals
Bei Gospelmusik handelt es sich um Songs der schwarzen Sklaven in Amerika oder anders gesagt um die Kirchenmusik der afroamerikanischen Christen in Amerika.
In einem Gospel wird über Leid geklagt und gleichzeitig gehofft, dass die Qualen bald aufhören.
Es gab viel zu tun Anfang des 17. Jahrhunderts in Amerika. Für die Baumwoll– und Zuckerrohrproduktion brauchte man dringend billige Arbeitskräfte und fand sie in den schwarzen Sklaven aus Afrika. Die Ängste und Sorgen auf den gefährlichen Schiffsreisen nach Amerika konnten die Farbigen nur mithilfe ihrer Musik ausdrücken.
Ein gläubiger Sklave ist ein guter Sklave – das war im 18. Jahrhundert das Motto der Landherren. Durch die Christianisierung vermischte sich die afrikanische Art zu singen mit den christlichen Glaubensinhalten. Vor allem waren diese Bekehrungsversuche aber dazu da, das schlechte Gewissen der Grundherren zu beruhigen und die Sklaven zu erziehen – in den offiziellen Gottesdiensten ging es nämlich vor allem um Gehorsam. Dass der christliche Glaube auch viele andere Facetten hat, lernten die Farbigen bei heimlichen Zusammenkünften. Gebildete Haussklaven lasen ihren Brüdern dabei vor allem Texte aus dem alten Testament vor. Besonders mit der Knechtschaft der Israeliten in Ägypten konnten sie sich identifizieren und so entstanden Lieder wie „Go down Moses”.
Auch durch europäische Einflüsse – wie zum Beispiel ein britisches Liederbuch – entstanden Gospelsongs. Dazu zählt etwa „Amazing Grace”.
Es gibt viele Bezeichnungen für die Lieder, die wir hier als „Gospelmusik” zusammenfassen wollen – was sie wohl alle auf irgendeine Art gemeinsam haben ist die Vereinigung von Verzweiflung und Hoffnung. Wenn in den Liedern von Hoffnung auf Erlösung die Rede ist, dann meinten die schwarzen Sklaven in Amerika nicht die Erlösung irgendwann in ferner Zukunft, sondern die Erlösung im Hier und Jetzt. Sie wollten mit Hilfe der Musik den befreienden Himmel sofort heraufbeschwören.